Halbtöne mit Manieren

Halbtöne mit Manieren

Bevor das Raster erfunden wurde, konnten sogenannte Halbtöne nur mit Hilfe von manuellen Techniken erzeugt werden. Die Lithografie bietet diesbezüglich folgende Möglichkeiten:

Federpunktiermanier
Bei der Federpunktiermanier setzt der Lithograf per Hand Punkt für Punkt mit Feder und Tusche auf den Stein.Wichtig hierbei ist der Tonwert der Vorlage; von diesem Wert hängen Punktdichte und -größe ab. Die bekannteste Technik in der Chromolithogafie heißt Berliner Manier.

Hierbei reiht der Lithograf die Punkte halbkreisförmig aneinander. So konnte bei farbigen Lithografien ein Werk aus 12 und mehr übereinander gedruckten Farben bestehen. Diese unterscheiden sich zudem stark in der Helligkeit. Demnach wurden bei den helleren Farben die Punkte grobflächig gesetzt und zum Teil dienten diese Töne sogar auf der gesamten Fläche als Unterlage. Die dunkleren Farben, die in der späteren Lithografiezeichnung besonders hervorstechen, wurden von den besten Lithografen ausgeführt. Denn sie konnten die Punkte besonders fein setzen.

Tangiermanier
Die Federpunktiermanier wurde aber im Laufe der Zeit  teilweise von der Tangiermanier verdrängt, da letztere bedeutend einfacher war. Bei dieser Technik wird eine gehärtete Gelantinefolie verwendet, die bereits das gewünschte Muster aus Punkten, Linien oder anderen Formen aufweist. Dieses wird dann nach dem Einfärben direkt durch Andrücken auf den Stein übertragen. Die Stellen, die dabei nicht drucken sollen, werden mit einer Schicht aus Gummiarabicum, die auf die Farbe abweisend wirkt, bedeckt. Diese Technik eignet sich allerdings nur für glatte Halbtöne. Verläufe und Schattierungen können damit nicht erzeugt werden.

Spritzmanier
Eine weitere Technik für das Erzeugen von Halbtönen ist die Spritzmanier, die schon Senefelder bekannt war. Bei dieser Technik wird eine Bürste in Tusche getränkt und dann über ein Sieb gestreift. Dieses muss zudem in einem bestimmten Abstand über den Stein gehalten werden. Auch hier werden wieder die Stellen mit Gummiarabicum abgedeckt, auf denen später keine Farbe haften soll. Je häufiger dieser Spritzvorgang wiederholt wird, desto  feinere Abstufung können erzielt werden.

Schabmanier
Letztendlich existiert noch die Schabmanier, auch Asphalt- oder Tuschemanier genannt. Hier wird ein gekörnter Stein benötigt, der auf seiner gesamten Fläche mit einer Schicht aus Asphalt versehen wird. Nach dem Trocknen werden die Bildpartien, die später lichter werden sollen als die anderen, so mit einem Schabmesser, mit Schleifpapier und mit lithografischen Nadeln aufgehellt, wie es die Vorlage verlangt. Das Verfahren eignet sich deswegen besonders für feine Tonabstufungen. Nach dem Zeichenvorgang wird der Stein mit einer stark ätzenden Lösung behandelt, die aus Gummiarabicum und sieben Prozent Salpetersäure besteht.

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