Neues Gewerbe – neue Berufe

Neues Gewerbe – neue Berufe

In Frankreich wurde die aufkommende Drucktechnik seit 1803 auch mit dem Begriff Lithographie bezeichnet; zunächst erwies sich der Steindruck aber als eine Methode für    Zwecke, die nicht rein künstlerischer Natur waren. Hierzu zählte zum Beispiel der Text- und Notendruck. Erst der Musikverleger Johann Anton André aus Offenbach am Main sorgte dafür, dass die Technik der Lithografie zur Reproduktion von Bildnissen und bildnerischen Darstellungen in der Kunst ihren Einzug fand. So konnte auch hier die Vervielfältigung von Kunstwerken, das Anfertigen von Kopien in hohen Auflagen also, durch die Wirtschaftlichkeit des Massendruckverfahrens mittels der Steinpresse bewerkstelligt werden.

Insofern erlebte die  Lithografie im Eiltempo eine Sublimation: Sie wurde zu einer   Kunstform, die Autonomie besaß und die es darüber hinaus dem Maler und Zeichner ermöglichte, die Zeichnung in ihrer Eigenheit zu konservieren. Um den jeweils gegenwärtigen Zustand der Welt zu repräsentieren und zu bebildern, stellte die Lithografie, noch bevor es Fotografien gab, ein durchaus geeignetes Medium dar. Sie konnte die Inhalte abbilden und somit thematisieren; wichtiger noch, sie konnte einer Masse von Rezipienten diese auch zugänglich machen. Oft wurden politische Zustände kritisiert, wie es auch Honoré Daumier tat, der rund 4000 Lithografien in der Zeitschrift „Le Charivari“ veröffentlichte. In dieser kritischen Zeitung erschienen Karikaturen von Daumier, die die politische Situation zwischen ca. 1830 bis 1872 anprangerten. Heute können diese Zeichnungen digital mit interaktiven Suchfunktionen im Daumier-Register eingesehen werden.

Die Bilderbogen aus Neuruppin bildeten damals eine besondere Form des Ausdrucks und der Stellungnahme zu wichtigen politischen Ereignissen. Weiterhin setzten sie sich mit dem Alltag der Bürger auseinander, erstatteten Bericht über schreckliche Katastrophen, belehrten über Tugenden warnten vor den Auswirkungen der Laster. Erst in den 1930er Jahren wurde der letzte Bilderbogen gedruckt.

In den Anfängen, in denen die Popularität von farbigen Bildern wuchs, wurden die eigentlich nur in einer Farbe gehaltenen Steindrucke per Hand nachkoloriert. Allerdings benötigte der   Kolorist neben künstlerischem Können zudem viel Geduld, da der Vorgang langwierig und aufwendig war.

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