Der deutsch-französische Lithograf Engelmann erfand 1837 eine farbige Variante der Lithografie und gab ihr den Namen Chromolithografie. Diese Technik war hinter dem Lichtdruck die hochwertigste Methode, farbige Drucke zu erstellen. Gleichwohl war es eine zeitraubende Technik, die einen immensen Aufwand forderte. Denn das Bild, das gedruckt werden sollte, konnte in bis zu 25 Farben aufgeteilt werden. Für die Herstellung der Lithograpfie bedeutete dies, dass 25 Druckvorgänge absolviert werden mussten. Zuerst kamen dabei die helleren Farben gefolgt von der jeweils nächst dunkleren in den Druck. In der Qualität der Farben konnte sich die Lithografie nahezu dem Standard eines Ölbildes annähern.
Lithografische Kunstanstalten war der zusammenfassende Begriff, der die gerade erst entstehenden Betriebe, die sich der Produktion von Lithografien widmeten, bezeichnete. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts existierten bekannte Verlagshäuser wie das Bibliographische Institut Leipzig und Wien, die ganze Abteilungen besaßen, die sich nur mit der Lithografietechnik beschäftigten. Die Entwicklung dieses Verfahrens, das von Karl Antal Mühlberger in Österreich weiter ausgebaut wurde, schritt voran und ermöglichte großformatige und kostengünstige Varianten, was in der Werbung damals von großen Nutzen war - vor allem da der Bedarf an farbigen Drucksachen enorm stieg. Allein zwischen 1855 und 1880 konnte man eine Erhöhung der im Steindruck erzeugten Produkte um das Zwanzigfache beobachten. Aschaffenburg, Berlin, Barmen, Hamburg und Nürnberg galten derzeit als die Hochburgen dieser aufstrebenden Ausdrucksform. In Berlin im Jahr 1898 existierten annähernd 180 Betriebe, von denen fast 25 Lithografische Kunstanstalten mit 100 bis 500 Mitarbeitern waren. Die Firma Hagelbeck in Berlin gehörte zu den führenden in diesem Gewerbe: Der Betrieb hatte 750 Mitarbeiter und besaß 42 Steindruck-Schnellpressen.
Da sich die Lithografie in kürzester Zeit auf Grund ihrer innovativen und preisgünstigen Methode in der Werbung und Reklame unentbehrlich gemacht hatte, sah der damalige Bürger immer häufiger Werbeplakate und Litfaßsäulen in der Stadt. Zentral für diese Entwicklung waren die französische Künstler wie zum Beispiel Jules Chéret und Henri de Toulouse-Lautrec. Die Werke von Toulouse-Lautrec zeichnen sich durch großformatige Blätter, verbunden mit einer leicht zu handhabenden Kolorierung von wenigen Farbsteinen in Gelb, Rot und Blau aus. So erreichte der Künstler auch eine Wirkung bei einem weitab stehenden Betrachter.
Durch die wachsende Popularität des Plakates um 1900 benötigte die damalige Gesellschaft erstmals eine höhere Zahl an Gebrauchsgrafikern. Deren Herkunft liegt aber in anderen Branchen, vornehmlich in solchen mit einem darstellerischem Schwerpunkt wie auch Architekten und Maler. Um die Jahrhundertwende entstand dadurch das Tätigkeitsfeld eines Plakatmalers oder Werbegrafikers, der heute die Bezeichnung Grafikdesigner trägt. Alle Filmplakate, die bis 1950 produziert wurden, sind auf das Steindruckverfahren zurück zu führen.
Des weiteren kam die die Lithografie als Drucktechnik für Ansichtskarten, Werbeverschlußmarken, Etiketten oder den sogenannten Liebigbildern und Briefmarken zur Anwendung. Und nicht nur hier spielte dieses Verfahren eine Rolle: Gleichsam wurde es für die Verpackungen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Ausstattungen für die Zigarren- und Zigarettenindustrie, Wertpapiere, Scheckformulare, Sammelbilder, Fleißbildchen und Abziehbilder und vieles andere mehr unverzichtbar.
150 Jahre dauerte der Siegeszug des Steindrucks, von der Erfindung im Jahr 1798 bis zu der Verdrängung dieser Technik in den 1950er Jahren. Aber schon nach 1920 forderten andere Techniken ihren Raum, so dass der Steindruck außerhalb kleiner Nischen, wie zum Beispiel im Blechdruck, beim Druck von Abziehbildern, geodätischen Karten und künstlerischer Grafik gänzlich an Einfluss verlor.Gerade die Chromolithografien werden in der heutigen Zeit zu hohen Preisen gehandelt und sind die Lieblingsobjekte von Kunstsammlern.
1956 nimmt die Industrie- und Handelskammern die Lehrberufe Lithograf und Steindrucker aus dem Lehrprogramm. Grundlegende Qualifikationen können nur noch durch ein Studium an Fach- oder Kunsthochschulen erlangt werden, eine gewerbliche Ausbildung existiert nicht mehr in diesem Berufsfeld.